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Stahl vs. Cortenstahl im Garten: Was ist wirklich besser für Hochbeete, Pflanztöpfe & Co?

Aktualisiert: 26. Juli 2023

Wenn es um die Wahl der besten Materialien für Hochbeete, Pflanztöpfe und andere Gartenanwendungen geht, stehen verschiedene zur Auswahl. Unter den Metallen werden oft Stahl und Cortenstahl diskutiert. Doch was genau unterscheidet diese beiden Materialien? Und welches eignet sich am besten für Ihren Garten? In diesem Beitrag werden wir den Unterschied zwischen Stahl und Cortenstahl erläutern und die Vor- und Nachteile beider Materialien beleuchten. Außerdem klären wir die Frage, ob Cortenstahl giftig ist.


Hochbeet und Pflanztröge aus Metall sind langlebig und schöne Unikate
Mit unlegiertem Baustahl lassen sich besonderen Unikate erzeugen.

 
 

Was ist der Unterschied zwischen Stahl und Cortenstahl?


Zuallererst muss man wissen, dass es viele verschiedene Arten von Baustählen gibt. Hier gibt es genormte Bezeichnungen, die aus einer Kombination aus Buchstaben und Zahlen bestehen, wie zum Beispiel S235 JR. Das S steht hier für "Structural Steel" oder "allgemeiner Baustahl", die Zahl 235N/mm2 steht für die Zugfestigkeit.


Generell kann man sagen, dass Stahl eine Legierung aus Eisen und Kohlenstoff ist und auch Mangan, Phosphor, Schwefel und Kupfer enthält. Je nach Herstellerqualität können die Anteile dieser Elemente unterschiedlich sein, sie liegen jedoch alle im Bereich von weniger als 1 % Gesamtanteil. Das sind ganz allgemeine Informationen zu den verschiedenen Baustählen.


Im nächsten Schritt kann man zwischen unlegiertem Baustahl und wetterfestem Baustahl unterscheiden. Unlegierter Baustahl enthält die oben genannten natürlichen Eisenbegleiter, allerdings dürfen diese zusätzlichen Bestandteile ein bestimmtes Maß nicht überschreiten. Wetterfester Baustahl enthält neben diesen Bestandteilen noch Elemente wie Phosphor, Chrom und Nickel, wobei auch hier die Anteile im Bereich von weniger als 1 % liegen. Oft wird bei wetterfestem Baustahl von Cortenstahl gesprochen, was eigentlich nur ein Markenname ist, ebenso wie Allwesta oder auch PATINAX.


Die genaue Unterscheidung lässt sich nur anhand der genormten Typenbezeichung machen:

  • S235JR steht für unlegierten Baustahl also Stahl oder Normalstahl

  • S355J0WP für wetterfesten Baustahl also Cortenstahl (das W steht hier für Wetterfest, das P für Phosphorlegierung)


Das sind erstmal die technischen Details zum Unterschied zwischen diesen Stahlarten.

 

Rostpatina, Rostoptik oder Edelrost – alles das gleiche?


Stahl ist also ein Werkstoff mit einer Legierung aus Eisen und Kohlenstoff, der sich für seine Härte, Festigkeit und Widerstandsfähigkeit auszeichnet. Unbeschichteter Stahl ist jedoch nicht korrosionsbeständig, das heißt, er beginnt zu rosten.


Für den konkreten Einsatz im Garten ist aber genau dieser Effekt gewünscht. Nun gibt es mittlerweile viele Bezeichnungen für diesen Rost, am bekanntesten ist die Patina und der Edelrost. Rostoptik wird gerne unter der Kategorie minderwertig eingereiht während Patina als höchstes Qualitätsmerkmal verkauft wird.


Wenn man es ganz genau nimmt, ist Patina ein sehr weiter Begriff mit sehr allgemeiner Bedeutung: bei der Alterung entstehende Veränderung von Oberflächen in Struktur und Farbe, vor allem bei kupferhaltigen Metallen (Quelle: Wikitionary). Geht man in der Literatur noch mehr in die Tiefe, stellt man schnell fest, dass Patina die grünliche Schicht ist, die auf Kupfer entsteht und auch Edelrost genannt wird.


Nachdem nun sowohl unlegierter Baustahl als auch wetterfester Baustahl in homöopathischer Dosis bis geringen Mengen Kupfer enthalten, bedienen wir uns einfach dieser Begriffe für unsere Gartenobjekte mit der attraktiven Rostschicht. Bleiben wir mal bei der allgemeinen Verwendung der Begriffe, dass Cortenstahl (wetterfester Baustahl) eine Patina bildet und Normalstahl (unlegierter Baustahl) eine rostige Oberfläche.

Unlegierter Baustahl (Normalstahl)

Wetterfester Baustahl (zB Cortenstahl)

Rost als Schutzschicht

Rost als Sperrschicht

Deckschichtbildung

  • Entsteht durch Witterungseinflüsse

  • braucht aber keine speziellen Einflüsse

  • rostet über die Jahre weiter ab zB durch Flugrost und Feuchtigkeit

Deckschichtbildung

Hängt sehr stark von den Umgebungsbedingungen ab, Aufbau nach 1,5 bis 3,5 Jahren abgeschlossen und verhindert dann den Zugang von Wasser, Sauerstoff und Schwefeldioxid zu Stahloberfläche.


Voraussetzung:

  • Ständiger Wechsel zw. feucht und trocken

  • Ausschluss von Dauerbefeuchtung

  • Gleichmäßiges Abfließen von Regenwasser

  • Bei möglichem Schwitzwasser: Schutzbeschichtung

  • Vermeidung kleiner Spalten.

Sind diese Bedingungen nicht erfüllt, entstehen kleine Haarrisse in der Sperrschicht, und das Material rostet ebenfalls weiter

Haltbarkeit

  • Je nach Materialstärke und Einsatzgebiet

  • bei 3 mm im Durchschnitt 20 Jahre, kann irgendwann durchrosten

Haltbarkeit

  • Bei intakter Sperrschicht so gut wie unbegrenzt

  • bei längerer Dauerfeuchtigkeit muss die Materialstärke ebenfalls entsprechend angepasst werden

Oberfläche nach Ausbildung der Rostschicht

  • Färbt bei trockener Oberfläche bei Berührung nicht ab

  • Kann bei Regen dauerhaft Flecken auf anderen Materialien verursachen

Oberfläche nach Ausbildung der Rostschicht

  • Färbt bei trockener Oberfläche bei Berührung nicht ab

  • Vor Ausbildung der Sperrschicht sind ebenfalls Rostablösungen möglich, danach nur mehr kaum außer bei direktem Kontakt mit anderem Material

Farbe

  • verschiedenste Braun-orange-Töne

  • Mit Struktur

  • Komplette Unikate möglich

Farbe

  • verschiedenste Braun-orange-Töne

  • Oberfläche regelmäßiger (für eine komplett homogene Oberfläche müsste das Material zuvor sandgestrahlt werden)

Verwendung

Beete aus Metall (Hochbeet, Flachbeet, Kräuterbeet), Pflanztröge, Feuerschalen, Wegbegrenzungen wie Randleisten, Beeteinfassungen, Rasenkanten, im Innenbereich mit geölter Oberfläche bei Weinregalen

Verwendung

Beete aus Metall auf empfindlichem Untergrund, Gartenleuchten, Sichtschutz und Zaunfelder, Wasserelemente wie Brunnen (mit speziellem Schutzanstrich), im Innenbereich mit geölter Oberfläche


optischer Unterschied von Normalstahl und Cortenstahl

Warum sind Stahl und Cortenstahl so gut für den Garten geeignet?


Sowohl Normalstahl als auch Cortenstahl sind gute Optionen für Hochbeete, Pflanztöpfe und andere Gartenanwendungen. Stahl ist preisgünstiger, Cortenstahl auf Grund seiner zusätzlichen Eigenschaften teurer. Beide sind robust, pflege- und wartungsfrei und von Haus aus langlebiger als viele andere Materialien.


Für beide Materialien sprechen diese Vorteile:


Ästhetik

Elemente aus Stahl und Cortenstahl verleihen dem Garten einen modernen Look. Die rostige Patina sorgt für eine warme und natürliche Optik, die gut mit verschiedenen Gartenstilen harmoniert. Die klaren Linien und die Beständigkeit von Stahl und Cortenstahl machen sie zu idealen Baustoffen für modernes als auch klassisches Gartendesign.


Wetterbeständigkeit

Cortenstahl ist äußerst widerstandsfähig. Die Schutzschicht aus Patina bildet eine Barriere, die den Stahl vor weiterer Korrosion durch Feuchtigkeit, Regen oder Schnee schützt. Dies macht Cortenstahl zu einem idealen Material für den Einsatz im Freien, da es seine Langlebigkeit und Beständigkeit bewahrt. Auch Stahl zeichnet sich durch seine Robustheit aus und kommt dort zum Einsatz, wo Cortenstahl die Sperrschicht nicht optimal ausbilden kann.


Vielseitigkeit

Stahl bietet eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten im Garten. Es kann für strukturelle Elemente wie Zäune, Pergolen, Treppen oder Sichtschutzwände verwendet werden. Darüber hinaus eignet es sich hervorragend für Pflanzgefäße, Hochbeete oder Feuerstellen. Es ist extrem gut formbar und hat zudem eine hohe Flexibilität in der Verarbeitung. Das es Ihnen, Ihren Garten individuell zu gestalten und ihm eine persönliche Note zu verleihen.


Kein Wartungsaufwand

Hier müssen Sie sich keine Gedanken über regelmäßiges Streichen oder Schutzanstriche machen.


Nachhaltigkeit

Stahl ist ein umweltfreundliches Material. Da er äußerst langlebig ist, reduziert er den Bedarf an regelmäßigem Ersatz und verringert somit den Materialverbrauch. Darüber hinaus können Stahl und Cortenstahl auch recycelt werden, was zu einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Gartenlösung beiträgt.


Kontraste schaffen

Stahl oder Cortenstahl können in Kombination mit anderen Materialien eingesetzt werden, um interessante Kontraste zu erzeugen. Kombinieren Sie beispielsweise Stahl mit Holz, um einen harmonischen Mix aus warmen und kühlen Tönen zu schaffen. Oder verwenden Sie Cortenstahl als auffälligen Akzent inmitten von grünen Pflanzen, um einen spannenden Kontrast zwischen der natürlichen Vegetation und dem industriellen Look des Metalls zu erzeugen.


Insgesamt ist Stahl eine ausgezeichnete Wahl für den Garten. Mit seinem einzigartigen Aussehen, seiner Wetterbeständigkeit, Vielseitigkeit und Nachhaltigkeit kann er Ihrem Garten einen modernen und ansprechenden Charakter verleihen. Egal, ob Sie einen minimalistischen Stil bevorzugen oder natürliche Elemente betonen möchten, das Material bietet eine hervorragende Möglichkeit, Ihren Außenbereich zu gestalten und zu verschönern. Denken Sie jedoch daran, dass Cortenstahl eine gewisse Zeit benötigt, um die charakteristische Rostpatina zu entwickeln, und dass dieser Prozess vom Klima und den Umgebungseinflüssen abhängt.




Ist Cortenstahl auf Grund der enthaltenen Spurenelemente giftig?


Cortenstahl ist grundsätzlich nicht giftig und auch nicht schlecht für die Umwelt.

Die Schwermetalle, die in Cortenstahl enthalten sein können, sind nicht in ausreichender Menge vorhanden, um gesundheitliche Risiken zu verursachen. Ist die Patina, also die Sperrschicht richtig ausgebildet, werden ohnehin keine dieser Elemente mehr an die Umgebung abgegeben. Insgesamt ist Cortenstahl eine sichere und umweltfreundliche Wahl für den Einsatz in der Architektur, im Landschaftsbau und auch im Gartenbau.


 

Fazit: Welches Material ist wofür am besten geeignet


Cortenstahl eignet sich besonders gut für hochwertige Gartenobjekte auf empfindlichem Untergrund und wo eine längere Lebensdauer wichtig ist. Unlegierter Baustahl kann eine kostengünstigere Option sein, die immer noch eine sehr lange Haltbarkeit aufweist. Er eignet sich überall dort gut, wo Cortenstahl seine charakteristischen Eigenschaften nicht ausbilden kann. Hier sind ein gutes Beispiel klassische Randleisten, die bei Normalstahl mit 6 mm Stärke eine sehr hohe Lebensdauer aufweisen und aus Cortenstahl eigentlich keinen Vorteil bringen, weil sich die Sperrschicht nicht richtig aufbauen kann.

Letztendlich sollten Sie bei der Wahl zwischen Cortenstahl und unlegiertem Baustahl Ihre spezifischen Anforderungen und Präferenzen berücksichtigen. Eine Beratung durch einen Fachmann oder eine Fachfrau kann Ihnen dabei helfen, die beste Wahl für Ihren Garten zu treffen.





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